Rotorua

Über die Weihnachtsfeiertage hielt ich mich in Rotorua auf. Tags zuvor hatte ich mir das erste Mal Eier im Supermarkt gekauft, diese gekocht und einige davon im ungepellten, gekochten Zustand in den Kofferraum meines Autos zu den anderen Lebensmitteln gelegt. Bei der Ankunft in Rotorua beschlich mich ich das Gefühl, die Eier seien innerhalb eines Tages verfault, zumal ich den ganzen Nachmittag durch die sehr warme Sonne fuhr. Es stank bestialisch in meinem kleinen Nissan. Kurz darauf fiel mir ein, dass ich mich in einer der aktivsten Geothermalgegenden der Welt befinde und Schwefelgeruch mit Vulkanaktivität einher geht. Dass der an diesem Tag besonders schlimm war, war einfach nur unglücklich. Beruhigt fuhr ich ins Hostel, das ein paar Minuten außerhalb des Stadtzentrums lag. Durchatmen.

Wai-O-Tapu

Was sollte man also tun, wenn man in einem der Orte entlang der Hauptbackpackerrouten des Landes für einige Nächte verweilt? Wai-O-Tapu wird überall angepriesen, besonders der Champaign-Pool. Ich war dank Auto flexibel und fuhr mit vier weiteren Deutschen im Gepäck dorthin. Vor Ort erfuhr ich dann, dass der Ganze Spaß 32 $ Eintritt kostet. Meine erste Touristenattraktion also. Ich biss in den schwefelhaltigen Apfel und zahlte, war ja jetzt eh schon da. Zunächst wurden wir nach dem Bezahlen zum Lady Knox Geysir geschickt. Der befindet sich außerhalb des umzäunten Nationalparks, ist selbst aber auch eingepfercht durch eine riesige Zuschauertribüne. Dort nahmen etwa 200 Menschen platz, ehe uns erklärt wurde, der Geysir würde alle 24 – 48 Stunden von selbst ausbrechen, aber um uns ein Schauspiel zu gewährleisten, würde man ein chemisches Mittel hineingeben, damit wir nicht so lange dort ausharren müssen. Ein künstlich induzierter Ausbruch also. Kurz nach Zugabe der Chemie blubberte es ein wenig, Schaum bildete sich an der Oberfläche und dann schoss eine mindestens fünf Meter hohe Fontäne aus dem kleinen vulkanartigen Gebilde. War ganz nett anzuschauen. Nach zwei Minuten hatte der Anblick seinen Reiz verloren und wir zogen wieder ab. 

Im Nationalpark war es wesentlich spannender. Wir wurden mit einer kleinen Übersichtskarte ausgestattet, auf der die einzelnen Quellen, Löcher und Seen noch einmal detailliert beschrieben wurden. Das Gelände ist nicht besonders groß, zumindest das, was davon begehbar ist. Dadurch, dass die Erde dort sehr brüchig und instabil ist, darf man wirklich nur auf den vorgegebenen Wegen laufen. Rauchen sollte man auch nicht. Verdammt! Hier klaffte neben den Wegen ein Krater neben dem anderen und überall konnte man die unterschiedlichsten chemischen Reaktionen beobachten. Diesmal waren diese aber natürlicher Art. Ein gelber See hier, blubbernder schwarzer Matsch dort, Dampf stieg überall aus der Erde empor und alles wirkte wie auf einem fremden Planeten. Großartig, was Mutter Natur da leistet. Hier werden einem andere als die bereits bekannten Naturgewalten erklärt und visualisiert. Highlight des Parks ist mit Sicherheit der Champaign-Pool, der seinen Namen durch die ständig aufsteigenden Luftblasen bekam und beständig an ein Glas erinnert, in das gerade frisch der sprudelige Traubenspaß eingefüllt wurde. Dass der See an der Oberfläche schlappe 75°C und weit unten am Boden etwa 170°C hat, widerspricht dem perligen, kalten, erfrischenden Charakter des Nobelgetränks etwas, tut aber nichts zur Sache.

Auch der Rest des Parks ist gefüllt mir Wundern der Natur. Rotes Moos erklimmt hier und dort die Bäume, während sich ringsherum warme Wasserfälle und Flussläufe ihre Wege durch das Terrain bahnen. Am Ende des Parks kann man bei gutem Wetter bis zum Berg Taupos gucken, der sich mit seinen 1088 Metern Höhe gut am Horizont ausmachen lässt.

Lohnt sich der ganze Spaß? Ich denke schon, dass die 32 $ ein Haufen Geld ist, den man sicherlich, gerade, wenn man mit einem knappen Budget reist, in andere Sachen sinnvoll investieren kann. Dennoch muss ich sagen, dass diese knapp 20 € doch den Zugang zu einem meiner bisherigen Highlights der Reise geebnet haben.

Kerosene Creek

Wenn man aus Rotorua in Richtung des Wai-O-Tapu-Parks auf dem State Highway 5 Richtung Süden verlässt, kommt auf der linken Seite irgendwann der Rainbow Mountain zum Vorschein. Biegt man kurz nach dem Rastplatz des Rainbow-Mountain-Wanderwegs in die Straße nach links, fährt man etwa fünf Minuten auf einer Schotterpiste ins Nichts. Die Staße heißt Old Waiotapu Road. Es lohnt sich, mutig der schlecht befahrbaren Straße zu folgen. Am Ende wartet Erholung pur. Ein warmer kleiner Fluss schlängelt sich dort durch dichten Wald. Besonders nach anstrengenden Wandertouren ist das Baden darin eine Wohltat. Wenn man dem Flussverlauf ein paar Minuten folgt, gelangt man zu einem warmen Wasserfall und einem kleinen Badebasin. Das ist besonders für den europäischen Verstand doppelte Überforderung, kennt er doch sonst nur kalte Bäche in Wäldern und damit verbundene eiskalte Wasserfälle. Doch ist man einmal in den Genuss des Badens gekommen, will man das Gewässer gar nicht mehr verlassen. Da vergisst man sogar den permanenten Schwefelgeruch. An einer Stelle kann man sogar vorsichtig vom Wasserfall in das Badebecken springen. Sonderlich hoch ist es nicht, aber der Boden im Becken ist nur an einer Stelle tief genug, um die zwei Meter Fall unbeschadet zu überstehen. Das Ganze ist auch besser bekannt unter dem Namen Kerosene Creek und so auch leicht in jeder Karten-App zu finden.

Redwoods

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Ein weiteres Naturschauspiel findet man im Süd-Osten Rotoruas. Dort erstrecken sich schier endlos die Redwoods, benannt nach den vor knapp 100 Jahren gepflanzten, aus Kalifornien bekannten Riesenbäume. Am Parkeingang kann man sich eine Übersichtskarte einstecken, die alle Wanderwege ausweist. Die Karte ist allerdings recht ungenau und an einigen Stellen unbrauchbar.  Folgt man den Wegweisern entlang der Strecke, kann aber eigentlich nichts schief gehen. Gut mit Sonnencreme eingeschmiert, mit Wasser und Proviant ausgerüstet, ging es also in den Wald. Zunächst auf eine kleine Strecke, nur sieben Kilometer, die wurde mir empfohlen, um einen Blick über Rotorua und den Wald zu erhaschen. Ich kann die Empfehlung nur weitergeben. Dabei handelt es sich um die gelbe Strecke. Im Anschluss entschieden wir uns dafür, noch die große, schwarze Waldstrecke mitzunehmen, die mit elf Kilometern etwas länger war und in die anderen Gebiete des Waldes führte. Gute Entscheidung! Die Redwoods an sich sind spektakulär, doch auch im Rest des Areals zeigt sich Mutter Natur, ganz anders als im Wai-O-Tapu-Nationalpark, von ihrer grünsten Seite. Einheimische Bäume stehen hier neben aus fernen Ländern importierten Pflanzen auf engstem Raum und lassen so ein pittoreskes Waldbild entstehen. Der Wald ist auf seine ganz eigene Weise laut. Hier singen Vögel, dort kreischen und knattern Insekten und der Wind lässt die Bäume flüstern. Von der nahegelegenen Stadt dringt kein Ton in das Dickicht und auch im Wald selbst sind alle Menschen andächtig still. Ein Zuspruch für die Seele nach all dem Weihnachtstrouble.

Für Naturfreunde ist Rotorua sicherlich einen Abstecher wert. Bei meinem nächsten Aufenthalt werde ich die weiteren Aktivitäten vor Ort genauer unter die Lupe nehmen. Die Lust auf gekochte Eier ist mir nach den wenigen Tagen in Rotorua allerdings erstmal vergangen.

2 Gedanken zu “Rotorua

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