Zurückgeben

„Heute steht ganz im Zeichen des Zurückgeben“, denke ich, noch bevor ich das erste Mal am Tag geblinzelt habe. Meine Gastgeber, lassen mich seit nunmehr einem Monat umsonst bei ihnen wohnen. Dafür möchte ich ihnen etwas zurückgeben. Was aber könnte einem alten Ehepaar, dem es an Geld nicht mangelt, schenken? Richtig: Entweder Zeit oder Emotionen. Ich habe mich für die zweite Alternative entschieden, Zeit habe ich arbeitsbedingt auch nicht allzu viel. Ironie des Schicksals, nicht wahr? Ich fahre also los und besorge Emotionen. Gar nicht so einfach. Doch schnell kommt mir eine Idee. Beim Aushelfen im Garten habe ich bemerkt, dass es einige kahle Stellen gibt. Diese aufzufüllen wäre doch super. Dann würde ich ihnen gleichzeitig auch Zeit schenken, wenn sie sich nicht darum kümmern müssen. Zwei Fliegen, eine Klappe. Ich fahre also zur nächstbesten Gärtnerei, zeige dem Fachmann Fotos vom Garten und lasse mich beraten. Er empfiehlt mir, Bäume zu pflanzen. Au ja! Das sollte jeder Mann in seinem Leben mal gemacht haben – noch mehr Fliegen für meine Klappe. Außerdem tu‘ ich auch der Umwelt etwas Gutes damit. Wobei ich nie verstanden habe, warum man(n) den Baum jetzt unbedingt auf sein Grundstück oder in der Wildnis pflanzen muss. Das kann doch dem Baum egal sein, ob er auf meinem Grundstück oder in der Gärtnerei steht, Sauerstoff produziert er doch überall. Egal, es fühlt sich gut an.

Ich kaufe fünf Bäume. Drei Benjamini und zwei Magnolia figo. Habe schließlich auch Essen von den beiden bekommen. Und Internet. Außerdem bin ich aufgeregt. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass mir der Gärtner auf Grundlage der Fotos genau dazu geraten hat. Er ist der Fachmann. Ich habe mich nur einlullen lassen. Zufrieden fahre ich zurück, pflanze die Bäume an den entsprechenden Stellen und freue mich, als wären es meine eigenen. Die beiden Eheleute freuen sich auch. Alle sind glücklich. Die Bäume tanzen beseelt im Wind, als ob auch sie mir zustimmen wollen. So habe ich nicht nur den beiden etwas zurückgegeben, sondern mich auch bei Neuseeland für die Gastfreundschaft bedankt und etwas für die Zukunft gepflanzt. Ich hoffe, dass viele Generationen von diesem zukünftigen Sauerstoff zehren werden, den die fünf produzieren. Die Luftveränderung kann ich jetzt schon spüren und der Garten sieht auch gleich viel schöner aus. Emotionen pur. Großartig.

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