Hobbiton

Wetterloch! Was auch immer das ist, wir springen heute nicht aus einem Flugzeug. Soll wohl nicht sein. Als knallharte Opportunisten heften wir die ganze Sache unter „Schicksal“ ab, um in späteren Konversationen ein weiteres Beispiel dafür zu haben, was dieses Wort eigentlich meint. Gezwungenermaßen entscheiden wir uns für Adrenalinschübe der anderen Sorte. Wir fahren ins Auenland. Genauer: nach Hobbiton. Lange habe ich mich davor gedrückt, auch wegen des stolzen Preises von 79$ p.P., aber mangels einer spannenden Alternative bleibt uns quasi gar nichts anderes übrig. Klingt dramatisch. Ist es auch. Wir müssen unseren vor-fallschirmsprünglichen Puls erst wieder in ruhige Fahrwasser bringen, bevor wir uns zur „MTV Cribs – Hobbit Edition“ aufmachen.

Was nach Spaß klingt, entpuppt sich leider schnell als die Tourismusattraktion schlechthin. Als großer Herr-der-Ringe-Fan hatte ich vor meinem Trip nach Neuseeland schon immer den Wunsch gehegt, mir das Set „live“ anzugucken. Mit dem Wunsch bin ich wohl nicht alleine nach Matamata gereist, was man an dem Menschenaufkommen vor Ort gleich erkennt. Obwohl: etwa 40% aller Besucher haben die Filme (weder LotR noch die Hobbit-Trilogie) nie gesehen. Da merkt man, dass es wohl eher der Wunsch eines Reiseveranstalters war, möglichst viel Geld mit Touristen zu machen und die ahnungslosen Leute direkt vom Kreuzfahrtschiff in den Bus nach Hobbiton zu setzen. Daher ist es leider auch sehr ratsam, eine Tour im Voraus zu buchen, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Vor Ort erfahren wir, dass das Set nach dem Dreh der HdR-Trilogie komplett abgerissen und erst für die Verfilmung des Hobbits erneut errichtet wurde, mit dem Hintergedanken, es danach für den Tourismus zu nutzen. Irgendwie ernüchternd. Darüber hätten wir uns im Vorfeld aber auch erkundigen können.

Mit dem Bus werden wir zum eigentlichen Set gefahren. Dort begleitet uns eine freundliche, völlig überdrehte Touristenführerin. Wir dürfen ihr nicht von der Seite weichen und Hobbiton nicht auf eigene Faust erkunden. Langweilig. Sie ist zwar sehr versiert, doch man merkt ihr leider an, dass sie an einen Zeitplan gebunden ist. Und so kriecht unser 40-Mann-Tross durch die wirklich schöne Anlage, vor uns eine Gruppe, hinter uns eine weitere. Ein Wahnsinn. Die Idylle, die im Film so großartig eingefangen wird, gibt es quasi nicht. Ziel des Veranstalters ist es hier eindeutig nicht, Liebhaber der Filme und Bücher für ein paar Stunden in eine andere Welt zu versetzen, sondern, möglichst viele Touristen durchzuschleusen. Da hat manche Flughafensecurity-Wartehalle mehr Charme.

Wir versuchen dennoch, das Beste aus dem Ausflug zu machen und nehmen die Situation mit Humor. Es ist letztendlich eine sehr schöne, mit Hobbithäusern bestückte Gartenanlage mitten in Neuseeland, in der vor einigen Jahren viele Menschen die Hobbit-Trilogie gedreht haben. Von der war ich eh nicht begeistert.

Wir begießen das Überleben des heutigen Tages mit einem komplementären Hobbit-Bier, das extra für Hobbiton gebraut wird und nur da erhältlich ist. Es schmeckt ähnlich schlecht wie der Rest aller anderen Biere Neuseelands. Gottseidank gibt es auf den beiden Inseln noch zig andere Herr-der-Ringe-Locations zu bestaunen. Und die sind touristenfrei, kosten keinen Eintritt und sind idyllisch zugleich. Doch dazu später mehr.

4 Gedanken zu “Hobbiton

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