Arbeit, Arbeit

„Willst du nicht irgendwann mal ankommen?“, fragt mich eine gute Freundin. „Wo denn?“, hake ich nach. „Familie, Haus, Job usw.“, entgegnet sie, „du brauchst doch einen Sinn im Leben“. Ich bin heute auf den Tag genau seit vier Monaten hier und froh darüber, dass mir auch nach so langer Zeit eine solche Frage gestellt wird und meine Entscheidungen hinterfragt werden. Den Sinn des Lebens habe ich bereits erforscht; die drei oben genannten Dinge stellen für mich nicht den Sinn des Lebens dar. Aber der Reihe nach.

„Mehr Arbeit?“

Wer heutzutage arbeitet, möchte in seiner Arbeit Erfüllung finden. Diese doch relativ junge Erfindung „Erfüllung“ – vor 300 Jahren tauchte das Wort fulfillment nicht einmal in Englischen Wörterbüchern auf – stellt uns vor große Probleme. Wir wünschen uns nicht mehr ausschließlich, dass wir Geld mit unserer Arbeit verdienen können, die Arbeit muss auch eine Bedeutung haben und uns befriedigen. Das sind hohe Anforderungen und erklärt im Ansatz, warum so viele von uns – mich eingeschlossen, sonst würde ich gerade sicherlich nicht am anderen Ende der Welt in die Tasten kloppen und über den Sinn des Lebens und anderen Unsinn palavern – Zweifel an der beruflichen Laufbahn haben. Meistens am Wochenende, bevor der Start in die neue Arbeitswoche naht.

Dabei ist es völlig normal und natürlich, Zweifel an der eigenen Karrierewahl zu äußern. Vor der industriellen Revolution gab es, großzügig hochgerechnet, etwa 2.000 verschiedene Handwerke, Berufe oder Gewerbe. Neusten Schätzungen nach, sind es momentan etwa 500.000. Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt, weswegen wir uns zu viele Gedanken darüber machen, die falsche Entscheidung zu treffen – und fällen dann im Endeffekt gar keine. Paralyse ist dafür wohl der psychologische Fachausdruck, die paradoxe Unfähigkeit zu handeln, weil die Möglichkeiten zu groß sind. Um dieser Konfusion vorzubeugen, ist es zunächst wichtig, sich selbst gut zu kennen. Der ideale Job findet sich nicht auf Anhieb. Vielmehr ist es eine Reihe von konzentrierten Beobachtungen, die einen auf die richtige Fährte bringen können. Was gefällt mir? Was mag ich gar nicht? Wo liegen meine Stärken, wo meine Schwächen? Der daraus resultierende Haufen an Informationen muss dann durch Logik verkleinert werden, durch Philosophie, die Kunst des Aufräumens.

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Mein Traktor im Morgenlicht. Hach…!

„Bereit zur Arbeit.“

Nachdenken ist dabei hilfreich. Wer Stunden damit verbringt, sich zu überlegen, was es heute zum Abendbrot gibt, oder tagelang den richtigen Preis für das neue Auto taxiert, kann nicht erwarten, dass die Suche nach der richtigen Arbeit in wenigen Minuten erfolgreich ist. Es ist immerhin eines der größten Probleme unserer Existenz. Das darf ruhig lange dauern und von Frust, Verwirrung und Verzweiflung geprägt sein, die vor allem durch neu akquiriertes Wissen zum Vorschein kommen. Dieses holen wir uns durch Ausprobieren. Der Mensch ist ein neugieriges Tier. Praktika, Freiwilligenarbeit oder Shadowing helfen dabei, die eigenen Fähigkeiten und Bedürfnisse in Einklang zu bringen. Außerdem macht Ausprobieren Spaß. Ich habe auch schon Stunden damit verbracht, den richtigen Job für mich zu finden. Einen Aspekt habe ich dabei zwar in meine Gedanken einfließen lassen, daraus aber nie einen separaten Punkt erstellt: die größte Marktlücke ist immer das Unglück anderer Menschen. Eine zusätzliche Frage, die ich mir also ab jetzt stellen werde, ist die danach, wie ich unglücklichen Menschen helfen kann. Jedes erfolgreiche Unternehmen ist im Endeffekt der Versuch einer Lösung für Probleme von Menschen. Je größer das Problem, desto größer die Möglichkeit, die eigenen Lösungsmuskeln spielen zu lassen. Es ist die Chance für mich, zu helfen, also den Ursprüngen der Arbeit an sich zu folgen. Die Menschheit ist momentan unglücklich genug, um der Industrie noch einige florierende Jahrzehnte Kreativität zu bescheren, um dieses Unglück zu bekämpfen. Die meisten Unternehmen haben dabei aber, im Gegensatz zu mir, keine altruistischen Vorsätze, sondern monetäre.

„Arbeit abgeschlossen.“ 

Erfolg und Versagen liegen oft nur einen Sprung Selbstbewusstsein weit auseinander. Wem es an Selbstbewusstsein mangelt, der hat nicht verstanden, wie die Welt funktioniert. Es ist eben nicht nur einer bestimmten Anzahl an Menschen vorbestimmt, Feudalismus zu leben und Großes zu erreichen. Unzählige Erfolgsstories weltweit machen das deutlich. Im Endeffekt geht es uns allen doch nur darum, dass wir uns auf dem Sterbebett nicht über unsere Arbeit ärgern zu müssen. Ich habe meinen Traumberuf noch nicht gefunden. Eines steht aber nach wochenlangem Ausprobieren fest: leidenschaftlicher Bauer werde ich in diesem Leben nicht.   

3 Gedanken zu “Arbeit, Arbeit

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