Mordor

Kein Weg in Neuseeland führt an Peter Jacksons Verfilmung des tolkienschen Meisterwerks „Der Herr der Ringe“ vorbei. Auf den Spuren von Frodo und Sam wollen wir am eigenen Leib erfahren, wie es ist, den Ring nach Mordor zu tragen. Wir stehen um 5 Uhr morgens auf und fahren zum weltberühmten Tongariro Alpine Crossing. Hier, zwischen Mt. Tongariro und Mt. Ngurahoe, von allen liebevoll Mount Doom, Schicksalsberg, genannt, wurde ein Großteil der Szenen aus Mordor gedreht. Wir wählen den schwierigeren Einstieg im Norden und lassen das Auto stehen. Nach dem Crossing, das von vielen als der schönste Tages-Hike der Welt bezeichnet wird, müssen wir zusehen, dass wir wieder zum Parkplatz kommen, der 30 Minuten Autofahrt entfernt vom Ende liegt, aber das sind Gedanken, die wir für ein paar Stunden verdrängen müssen.

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Sonnenaufgang am Nordhang. Keine Menschenseele weit und breit.

Der Aufstieg ist hart, beschwerlich, windig und menschenleer. Die ersten anderen Hobbits treffen wir nach mehr als zwei Stunden Fußmarsch. Es ist schweinekalt, doch jeder Schritt lohnt sich, die Umgebung ist unwirtlich. Einzig das Pfeifen des Winds ist noch zu hören. Kein Vogel verirrt sich hier hoch, keine Zikade kreischt, wir sind allein in der Natur, die mit jedem Schritt mehr und mehr aussieht wie Mordor. Es ist, als wäre Tolkien persönlich hier gewesen und hätte auf Grundlage seiner Beobachtungen die beängstigende Atmosphäre von Saurons Anwesen beschrieben.

Wir werden noch einmal zurück versetzt in die Zeit, als wir vor Jahren um Mitternacht in die Kinos stiefelten, gerade elf, zwölf Jahre alt, um die Premieren der drei Filme zu zelebrieren. Jeder Schritt wirft uns in der Zeit zurück, bringt uns gleichzeitig vorwärts und sorgt für neue Erinnerungen in unseren Köpfen. Denn alles hier brennt sich in die Netzhaut ein. Beflügelt von Kindheitserinnerungen und angetrieben von der Sonne, die sich immer mehr Mühe gibt, die Wolken zu durchbrechen, kriechen wir an die Spitze.

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Auf den Spuren von Sam und Frodo – Mordor.

Oben angekommen lichtet sich die dichte Wolkendecke und gibt den Blick auf Krater, Seen und den Schicksalsberg frei. Wir sind den Umständen entsprechend kaputt und entscheiden uns dagegen, den Ring direkt in den Mount Doom zu werfen. Wir tragen ihn daran vorbei und vereinbaren, auf dem Rückweg wieder hier her zu kommen und den Ring dann abzugeben. Vielleicht wird er uns ja noch nützlich auf der weiteren Reise sein. Gut, dass Frodo und Sam nicht solche Weicheier waren. Wir sind wohl doch keine richtigen Hobbits. Trotz Haaren auf den Füßen.

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Der Schicksalsberg.

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