Bangkok

Nackt stehe ich am Fenster meines Hotelzimmers und blicke gedankenverloren auf die Skyline. Ich habe einen fetzen Kater und versuche, den gestrigen Abend zu rekonstruieren. Es ist ein Parforceritt der Superlative. Eigentlich möchte ich nur etwas Essbares finden und dann früh ins Bett gehen. Doch eine unbeschreibliche Kraft treibt mich in den Schlund des Wahnsinns aus Alkohol, lauter Musik und verrückten Gestalten. Spätestens seit den Hangover Filmen versucht jeder hier, diese eine unvergessliche Nacht zu erleben – wenn nötig mit aller Gewalt. One Night in Bangkok eben. Diese Nacht zeigt mir, wie die Oyster schmeckt: köstlich; es gibt sie also wirklich, diese ominösen Nächte. Hinter mir im Bett bewegt sich jemand. Ich schrecke aus meinen Gedanken hoch, drehe mich um. Panik. Ein prüfender Blick – Puh! Kein Ladyboy. Mir steht die sekundenschnelle emotionale Achterbahnfahrt wohl ins Gesicht geschrieben, denn sie muss lachen. Grinsend wende ich meinen Blick wieder der Stadt zu.

Bangkok. Du Moloch, du Malstrom, du Mythos. Lange habe ich deinem Sog widerstanden, mich dagegen gewehrt, dich kennenzulernen. Jetzt habe ich von deinem Nektar gekostet – und bin fasziniert. Asia süß-sauer. Überall ist es laut, es stinkt, nie bist du alleine – und gutes Essen findest du an jeder Ecke. Denn Bangkok ist Streetfood: Garküchen verströhmen Düfte, anhand derer die Stadt wohl blind zu erkennen wäre. Nur: wie lange noch? Es wimmelt von rastlosen Menschen, die flink durch die Betonschluchten wuseln. Dagegen ist Medan ein Dorf.

Bangkok ist grell, schnell und unerbittlich, wenn sie will. Ich habe mich fernab der berühmten Touristenmeile Khaosan Road darauf eingelassen und bin nicht enttäuscht worden. Jetzt brauche ich aber Zeit zum Entschleunigen, Zeit für Rast und Ruhe. Die Klimaanlage kühlt das Zimmer auf angemehme 29 Grad Celsius. Heute, beschließe ich, während ich einen großen Schluck Wasser trinke, heute bestimme ich das Tempo. Mein Hunger ist vorerst gestillt. Ich lege mich zurück ins Bett. Bangkok, ich komme wieder.

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