Hạnh phúc & Vận rủi

Champions League Finale, 82. Minute. Es steht 1:1. Messi kann nicht mehr. Der Coach ruft mich zu sich, er will mich einwechseln. Ich soll das Ding jetzt richten. Motiviert klatsche ich den besten Fußballer der Welt ab und betrete den Rasen. Ecke für uns. Auf Umwegen springt mir der Ball vor die Füße. Unbekümmert halte ich drauf. Der Ball fliegt im Eiltempo Richtung Tor. Und: Mein Wecker klingelt. Nicht. Dein. Ernst.

Mopse trinken Bier. Wir auch. 

Ich wache frühmorgens in Ho Chi Minh City (HCMC, ehem. Saigon) auf und mache mich fertig, gleich fährt mein Bus weiter nach Mũi Né. Saigon ist abgefahren, die letzten drei Tage und Nächte stecken mir noch in den Gliedern. New York schläft nicht? Bangkok ist verrückt? Da kann Ho-Ho-Ho Chi Minh nur lachen. Der Stadt ist deutlich anzumerken, dass sie nichts mehr verpassen und dem Zufall überlassen möchte. Gefühlt ist ganz HCMC 24/7 auf den Beinen oder Rollern. Auch jetzt um 6:30 Uhr morgens brummt der Verkehr vor dem Fenster. Ich dusche, packe den Rest meiner Siebensachen ein und latsche zum Busbahnhof. Auf dem Weg kaufe ich mir ein Bánh mì – ein simples Baguette mit allerlei Zeugs drauf. Köstlich. Über Nacht habe ich noch meinen Kameraakku geladen. Viel habe ich meine Kamera noch nicht benutzt auf dieser Reise, aber das will ich jetzt ändern. Um zu prüfen ob alles passt, schalte ich sie kurz ein. Nichts passiert. Nicht auch das noch. Schnell entdecke ich das Problem: Kondenswasser. Das ständige heiß-kalt-Spiel zwischen Klimaanlage und Tropenschwüle bekommt der Kamera nicht. Ich entferne den Akku und lasse erstmal die Finger davon.

Die Busfahrt verläuft entspannt, ich lerne ein cooles deutsches Paar aus Nürnberg kennen und meine Laune steigt wieder. In Mũi Né angekommen finde ich schnell ein Hostel und miete mir einen Roller: Asiens beste Erkundungsmaschine. Während meine Kamera im Zimmer trocknet, düse ich planlos durch die Gegend. Viel Spannendes gibt es allerdings nicht zu entdecken. Ich kaufe drei Mangos, fahre zum Hostel zurück und mache Mittag, einschließlich Powernap. Frisch gestärkt treffe ich mich den anderen zum Abendessen. Wir finden einen Foodcourt und für jeden Geschmack etwas Essbares. Lange liege ich abends noch wach, es gewittert laut und es tropft von meiner Zimmerdecke. Es hört wirklich nicht auf.

Meine Beine sind leider etwas zu lang für den Schlafbus.

Der nächste Tag fängt viel entspannter an. Ich schlafe lang und treffe mich mittags mit den Germans. Sie erklären mir, dass es wahrscheinlich ist, dass wir auf unserer Route von der Polizei auf den Rollern kontrolliert werden und Ausländerzoll an die korrupten Beamten zahlen müssen. So 2-300.000 Dong, etwa 10€. Alles klar. Ist verschmerzbar und wohl nicht zu ändern, es gibt zu unserem Ziel nur einen Weg. Wir essen noch eine Pho-Suppe und fahren weiter.

Und natürlich werden wir kontrolliert. Meine Begleiter müssen nichts zahlen, weil sie einen Motorradführerschein hat und die beiden schlauerweise noch kurz vorher Fahrer getauscht haben. Ich hingegen habe zwar einen internationalen Führerschein Klasse B, mit dem darf ich aber das 125cc-Teufelsgefährt hier nicht bewegen. Meine Lüge, ich habe nur 200.000 in bar dabei, die ich ihm überlassen würde, wenn wir weiterfahren dürften, prallt am weißen Polizeihelm ab. Der Kerl hat heute Großes vor. 1.000.000 Dong will er haben, dann dürfe ich weiterfahren. Andernfalls würden sie das Moped einbehalten. Nach ewigem hin und her zahle ich 800.000, etwa 32€. Es passt einfach zum Schema der letzten Stunden. Einen Beleg kriege ich nicht, falls ich nochmal angehalten werde, solle ich einfach sagen, ich hätte schon gezahlt. Eine Logik, bei der jeder deutsche Beamte spontan Anfälle bekommen würde.

Deutsche Wanderlust in den Dünen.

Wir fahren weiter zu den sagenumwobenen Sanddünen, die echt schön sind, aber leider auch überbevölkert von Russen und Chinesen, die auf Quads und mit Jeeps durch die Sandlandschaft brettern. Idylle pur. Wir schießen ein paar Bilder, versuchen, den Motorenlärm so gut wie möglich auszublenden und machen uns auf den Heimweg.

Natürlich werde ich erneut kontrolliert. Diesmal von einer Motorradstreife, der ich sage, ich habe schon gezahlt. Zahneknirschend und fett grinsend machen sie die beiden Beamten wieder vom Acker. Da ist ihnen wohl der fremdbezahlte Abendsuff durch die Lappen gegangen. Wir finden uns wieder im Foodcourt ein und lassen den Tag Revue passieren, führen ernsthafte Gespräche über den Sinn des Lebens und genießen das gute Essen. Im Anschluss bringen wir die Roller zurück und verabschieden uns. Bis zum nächsten Mal!

Jetzt liege ich im Bett, bin kurz davor einzuschlafen, als mir auffällt, dass ich sämtliche Dokumente im Sitz des Rollers vergessen habe. Also rappel ich mich nochmal auf und schlurfe los. Gottseidank ist noch jemand im Laden: sturzbesoffene Vietnamesen. Mit Händen und Füßen erkläre ich meine Notlage. Sie lachen und tanzen. Irgendwie gelingt es mir dann doch, mein Problem zu artikulieren. Ich finde das Moped. Die Dokumente sind auch noch da. Ich bedanke mich und lasse die Partygesellschaft alleine. Kopfschüttelnd und über mich lachend lege ich mich wieder in mein Bett. Ich muss es endlich meinem Bruder gleichtun und meinen Motorradführerschein machen.

Mũi Né muss man nicht gesehen haben, ich konnte es der guten Gesellschaft wegen aber sehr genießen. Hạnh phúc & Vận rủi, Glück und Pech, liegen manchmal sehr dicht beieinander. In den letzten Tagen habe ich beides gehabt, Lehrgeld gezahlt und meine Sinne weiter für Asien schärfen können. Meine Kamera gibt immer noch keinen Mucks von sich, da gedulde ich mich weiter. Was mich an der ganzen Geschichte am meisten wurmt, ist allerdings, dass ich nicht weiß, ob der verf…luchte Ball ins Tor gegangen ist.

Ein Gedanke zu “Hạnh phúc & Vận rủi

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