Bauernleben

Die Arbeit auf einer Farm ist für mich ein einmaliges Erlebnis. Als komplett unbeschriebenes Blatt bin ich hier angekommen und habe schon so viel über die Arbeit und das Bauernleben an sich aufgefasst – aber auch mich besser kennengelernt. Wenn ich auf den Feldern herumkrieche, mit den bloßen Hängen in der Erde wühle, die Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten selbst ernte und dann abends esse, entwickle ich eine ganz andere Beziehung zu den Produkten und zur Natur. Es versetzt mich zurück in die Ursprünge der modernen Menschheit – die ja jetzt weitaus weiter zurückliegen als bislang vermutet – und es berührt meine elementare, kreatürliche Jäger-und-Sammler-Natur, die mich unweigerlich in Einklang mit dem Zusammenhang aller Dinge der Welt bringt. Die Theorie, jeder solle für sich leben und kämpfen wird bei der Farmarbeit komplett widerlegt, alles wird für die Allgemeinheit produziert.

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Eine Zwiebel.

Der nachhaltig denkende Bauer nutzt jeden Quadratmeter Land bestmöglich aus, ohne dabei die Natur zu zerstören, im Gegenteil, er macht sich die Kraft von Mutter Erde zum Verbündeten und arbeitet mit der Erde zusammen. Natürlich steht dahinter immer der Gedanke, damit Geld zu verdienen, aber das ist ja nichts Verwerfliches. Der Farmer weiß außerdem, dass ihm das Land rechtlich zwar gehört, aber Besitztum über die Erde ein schwieriges Thema ist. Im Endeffekt überlebt die Erde ihn, er nutzt sie während seiner kurzen Verweildauer hier für sein eigenes Überleben. Der Schatten seiner selbst, den er beim Arbeiten auf die Felder wirft, verschwindet auch mit dem Untergehen seiner Sonne. Was bleibt ist fruchtbare Erde, die Mutter des Lebens. Wer diesen Grundgedanken bei der Landwirtschaft ignoriert, verliert die Beziehung zur Erde und im Endeffekt auch zu sich selbst. Der Mensch wird zum Ökonom und zerstört die Erde ohne Rücksicht auf Verluste.

Nachhaltigkeit wird auch hier in Neuseeland immer größer geschrieben, mein Chef ist auch dabei, das System umzustellen. Er hat erkannt, dass es nicht nur um den gegenwärtigen Profit gehen kann, sondern, dass er sich auch nachhaltig darum bemühen muss, dass die Felder von vielen weiteren Generationen genutzt werden können. An dieser Balance wird hier gerade intensiv gearbeitet, ein spannender Prozess, bei dem ich gerade liebend gerne helfe und lerne. Ich bleibe dabei, ein Farmer werde ich in diesem Leben nicht mehr, ich genieße aber die neuen Erfahrungen, die ich jeden Tag mache.

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Noch mehr Zwiebeln.

Nichtsdestotrotz habe ich mir für die verbleibende Zeit in Neuseeland noch einen Job in einer Bar besorgt. Erstens fehlt mir das Arbeiten in der Gastro und zweites sind die Bauern und alle Kollegen hier zwar ein sehr liebenswürdiges Völkchen, aber sehr eigen und auf Dauer anstrengend. Ich brauche die Abwechslung, die habe ich jetzt.

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