Te Ika-a-Māui

Wenn es darum geht, ein Land nur nach seiner Landschaft zu beurteilen, ist Neuseeland sicherlich eines der spektakulärsten Länder der Welt – soweit ich das mit meiner bescheidenen Reiseerfahrung beurteilen kann. Jährlich steigen die Touristenzahlen, jeder möchte Neuseeland sehen. Doch diese Touristen sind auch ein Grund dafür, warum ich diesen Eintrag schreibe. Im Urlaub geht es mir oft so, dass ich mich nicht völlig entspannen und die Natur genießen kann, wenn zu viele Menschen den Ort belagern. Ich habe es mir zum Sport gemacht, Touristenführer zu ignorieren und mich lieber auf das Wissen der Locals zu verlassen, mich an Orte zu führen, die nahezu unberührt sind – zum Beispiel Cape Reinga.

„Wir brauchen die Wildnis als Stärkungsmittel. […] Mit demselben Ernste aber, mit dem wir alles zu erforschen und zu lernen wünschen, verlangen wir gleichzeitig, daß alles geheimnisvoll und unerforschbar bleibe, daß Land und Meer uns unerforschte und unergründete Rätsel bleiben, weil sie unerforschlich sind. Wir können nie genug Natur bekommen.“ – Henry David Thoreau, Walden oder Leben in den Wäldern, 1854.

Es geht mir darum, die richtige Mischung zu finden; ich möchte auf solchen Ausflügen Menschen treffen, die die Natur genauso zu schätzen wissen wie ich, gleichzeitig möchte ich Dinge entdecken, die möglichst noch nie jemand vor mir entdeckt hat. Unwahrscheinlich, ich weiß, aber der Gedanke ist schön. Noch schöner ist, dass alle Highlights, die ich hier erwähne, völlig kostenlos zu genießen sind – im Gegensatz zum überteuerten Hobbiton.

Warum ich jetzt dennoch eine Liste aufstelle von Orten, die man besuchen sollte, wenn man seine Ruhe haben und die Natur genießen möchte? Nun ja, so viele Leser hat der Blog nicht, also keine Sorge, in den nächsten Jahren werden sich die Besuchszahlen dieser Orte nicht wegen dieses Artikels ändern. Jetzt geht es um Orte auf Te Ika-a-Māui (‚Der Fisch des Māui‘), der Nordinsel Neuseelands, die wegen ihrer Fischform so genannt wird. Ob es die schönsten Orte der Nordinsel sind? Vielleicht, sie gehören dazu, doch die Liste Orte dieser wäre täglich erweiterbar. Ich habe mich nur an Plätze und Momente zurückerinnert, an denen ich die richtigen Menschen zur richtigen Zeit getroffen habe und mit ihnen die Reinheit der Natur genießen konnte.

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Pinnacles – Coromandel.

Coromandel Peninsula – Pinnacles Hike

Inmitten der pittoresken Wälder der Coromandel Peninsula liegt der Pinnacles Hike, ein einsamer Wanderpfad, der durch Flussbetten, über Hängebrücken und auf die Pinnacles führt. Oben wartet bei gutem Wetter eine grandiose Aussicht (wer will, kann dort auch übernachten). Auf dem Rückweg befindet sich auf der linken Seite der Straße eine kleine Badestelle, an der die Einwohner der umliegenden Dörfer baden gehen: Hoffman’s Pool. Ein Stein mit großen Lettern markiert den Einstieg, der sich auf der gegenüberliegenden Seite eines kleinen Parkplatzes befindet. Auf der anderen Seite des Flusses ragt eine kleine Felswand empor, von der man aus verschiedenen Höhen ins erfrischende Wasser springen kann. Genial! Grundsätzlich würde ich die Coromandel Halbinsel als die schönste Gegend der Nordinsel bezeichnen. Es hat etwas Magisches an sich, von den ersten Sonnenstrahlen des neues Tages geweckt zu werden, schnorcheln zu gehen, am Hot Water Beach ein Bier zu trinken, zu wandern oder Kiwis zu suchen.


Piha Beach

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Piha Beach bei mäßig gutem Wetter.

Nur 30 Minuten Autofahrt von Auckland entfernt liegt das Paradies für alle Vegetarier! Piha Beach ist eine große Eisenquelle. Der schwarze neuseeländische Vulkansand enthält etwa 57% Eisen und bildet damit die eisenhaltigsten Strände der Welt. Darüber hinaus – Spaß beiseite – ist der Strand riesig und wirkt trotz der steigenden Beliebtheit des Ortes meist menschenleer, leicht zugänglich und bietet spektakuläre Sonnenuntergänge, sehr gute Surfbedingungen, eine wunderschöne Küste und den Lion Rock zum Erklimmen. Wer dem städtischen Alltag entfliehen möchte, findet hier definitiv sein Seelenheil (für mehr Auswahl an West-Coast-Stränden hier klicken).


Kerosene Creek

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Chillen im warmen Flusswasser.

Wer durch Rotorua fährt, sollte hier unbedingt anhalten. Während fließende Bäche in Wäldern sonst für Erfrischung und idealerweise eine Aufstockung der Trinkwasservorräte sorgen, sollte man am Kerosene Creek unbedingt vermeiden, das Wasser zu trinken. Es ist nicht nur sehr warm, sondern auch schwefelhaltig, ungenießbar und ungesund. Das Baden darin ist aber eine Wohltat für den eifrigen Wanderkörper. Das würde mir gerade auch sehr gut gefallen, muss ich gestehen. 


Tongariro Crossing

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Über die Wanderstrecke schlechthin habe ich bereits ausführlich berichtet. Eigentlich führt kein Weg daran vorbei, sich einen Tag über die Berge zu quälen. Ein absolutes Muss auf der Nordinsel.


Wellington & Te Papa

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Wellington bei absoluter Windstille.

Jeder, der mich momentan fragt, ob ich mir vorstellen könnte, längerfristig nach Neuseeland zu ziehen, kriegt dieselbe Antwort: Ja, aber wenn, dann nach Wellington. Die kleinste coole Hauptstadt der Welt vereint alles, was ich mir zum Leben wünsche: schöne Natur vor der Haustür, gute Arbeitsbedingungen, einen Hafen, eine gute Bar- und Restaurantszene, reichlich Kulturangebote, ein quirliges Nachtleben und abwechslungsreiche Sportmöglichkeiten (Bouldern, Surfen, Wandern, Schwimmen usw.). Es ist recht windig, aber daran kann ich mich gewöhnen. Außerdem wäre da noch Te Papa. Ja, tatsächlich, ein Museum findet hier auch seinen Platz in der Aufzählung. Wer sich intensiv mit der Geschichte des Landes, seinen Einwohnern, ob menschlich oder tierisch, beschäftigen möchte, sollte das Te Papa Museum – frei übersetzt: der Ort der Schätze dieses Landes – besuchen. Auf sechs Ebenen erhält der Besucher Einblick in die Entwicklung dieses recht jungen Landes von der ersten Besiedlung bis zur Moderne. Des Weiteren gibt es (teilweise kostenpflichtige) Sonderausstellungen. Aktuelles Highlight ist die Ausstellung Gallipoli.


Brrr…

Ich habe sicherlich einiges ausgelassen und vergessen. Doch schon bei den schönen Erinnerungen hier taut mein Körper so langsam auf. Jetzt habe ich mich komplett gegen meine Prinzipien gestellt und selbst den Reiseführer gemimt. Warum? Weil ich glaube, dass das Genießen alleine zwar schön ist, die Welt aber durch Teilen noch viel schöner wird.


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Mt. Cook auf der Südinsel – dazu bald mehr.

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