2017

Wie ungefähr jeder in der Generation Millennial finde ich es extrem schwierig, nicht ein bisschen ängstlich zu sein, wenn ich in die Zukunft schaue, und ein bisschen wütend über die Vergangenheit. Ich bin fast 29 Jahre alt, irgendwo in der Mitte dieser Generation, also derer, die irgendwann zwischen 1984 und 2004 geboren wurden. Ich warte immer noch darauf, dass das Erwachsensein eintritt. Einen beständigen Job hatte ich noch nie, meine Ersparnisse sind durch das dauerhafte Reisen fast aufgebraucht, einen Studienkredit zahle ich nebenbei auch noch zurück. Frau, Familie, Haus? Fehlanzeige! Kann mich doch selbst kaum über Wasser halten. Wessen Schuld das ist? Meine natürlich. Sagen zumindest die Alten. Ich habe das Falsche studiert (leider wahr), Geld, das ich nicht hatte, für Dinge ausgegeben, die ich nie wirklich brauchte, und meine Zeit im Internet verbringe ich nicht damit, Programmieren zu lernen. Kurz: Scheiße!

So fühlt es sich also an, „jung“ zu sein. Ich bin am Arsch. Gleichzeitig muss ich mir anhören, wann ich denn endlich mal zu Potte komme, ob ich nicht langsam mal die Schnauze voll hab vom Vagabundenleben, ob mir meine unsichere Zukunft nicht unendlich viele Sorgen bereitet. Was unterscheidet uns von früheren Generationen? Individuell wahrscheinlich nicht allzu viel, doch unsere Umwelt hat sich erstaunlich gewandelt. Löhne stagnieren während Wohnungen (!), Nahrungsmittel, Bildung und Versicherungen immer teurer werden. Klar bekomme ich es da mit der Angst zu tun. Hier, in Cali, Kolumbien, ist es wesentlich einfacher, bei einem Jahresabschiedsbier darüber zu sinnieren und sich zu überlegen: will ich wirklich wieder nach Hause? Will ich mir das alles antun? Hier lebt es sich doch auch überragend. Wenn ich mal in Geldnot gerate, arbeite ich ein bisschen, ansonsten kann ich hier doch wirklich Mensch sein. Es könnte sein, dass wir die erste Generation überhaupt sind, die am Ende ärmer als ihre Eltern dastehen. Was uns wirklich definiert, sind nicht Tinder, Pokemon Go oder unsere übervorsichtigen Eltern – es ist die allgegenwärtige Unsicherheit.

Nachdem sich meine Zukunftspläne recht unerwartet letztes Jahr in Luft aufgelöst haben, ich spontan alles über den Haufen warf und mich ins Flugzeug setzte, kann ich mein Bier hier dennoch genießen, weil ich wieder eine Ahnung habe, was ich machen möchte, einen Plan, wie man so schön sagt. Nach und nach weiß ich, wie ich diese Unsicherheit ablegen kann und werde. Daher kann ich getrost sagen: ich bin dankbar für 2017, es hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet und mir neue Wege geebnet, die ich mich nie zu gehen gewagt hätte. 2017 war das Beste Jahr meines Lebens.

PS: Heute wird auch das letzte 90-Jahre-Baby 18 Jahre alt. In diesem Sinne: Frohes Neues!

 

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