Parallelwelt

Ich habe auf der Reise schon einige skurrile Momente erlebt, aber das hier setzt ganz neue Maßstäbe. Nach 16-stündiger Busfahrt aus der wirklich hässlichen Panama Stadt, inklusive zwei Stunden Grenzwirrwarr, bei dem ich mich wie ein Schwerverbrecher gefühlt habe, komme ich in San Jose an, Costa Rica. Die wilde Fahrt ist damit aber noch nicht beendet. Weil ich zwei Mädels aus Bamberg besuchen will, die ich in Antigua kennengelernt habe, die jetzt aber hier wohnen, muss ich quer durch die Innenstadt laufen, um einen anderen Bus zu erwischen. Die Bewegung tut ganz gut nach dem Rumgesitze.

Ich komme nach einer kurvenreichen, durch Nebel im Hochgebirge gebremsten Fahrt heil in Santa Maria de Dota an und erreiche die beiden telefonisch. Sie wollen mich in einer Bar treffen, zuhause gebe es eh kein Bier mehr. Sehr gerne! Also latsche ich zur Bar. Hier geht’s ab, sag ich euch. Da bist du mitten im Hochgebirge in einer lateinamerikanischen Kleinststadt und dann das. Vor der Bar tummeln sich unendlich viele Menschen und von drinnen … erklingt feinster Deathcoremetalirgendwas. So viele langhaarige Menschen (Männer) habe ich das letzte Mal im Hippiedorf San Marcos in Guatemala gesehen. Die hier sind weitaus gepflegter und netter. Glaube ich, denn der dicke Dialekt bereitet mir einige Probleme.

Es fahren getunte Autos mit Unterbodenlicht vorbei, links verkauft ein Cowboy Ledergürtel, rechts steht und sitzt eine riesige Menschenmenge. Ein riesiger Kipplader fährt vor. Wie beim Feierabendgedränge an jeder x-beliebigen S-Bahn-Station deutscher Großstädte erheben sich die Menschen und klettern auf den Laster. Es ist der Feierabendbus. Ob ich denn nicht mitkommen möchte? Lustig wär’s ja schon. Auf der Ladefläche wird auch ganz andere Musik aufgelegt als in der Bar. Ich lehne ab. Alle fragen sich, was dieser große Ausländer mit dem witzigen spanischen Akzent und den großen Rucksäcken hier macht. Ich wiederum verstehe bei dem Lärm auch nur die Hälfte. Der Deathmetal, der nach wie vor hinter mir aus der Scheune dröhnt, tut sein Übrigens als Kommunikationsbarriere.

Der Laster fährt ab. Drinnen wird die neueste Eigenproduktion angekündigt: „Der Nebel!“ Wie passend. Klingt, wie alle Stücke davor auch. Vielleicht bin ich vorhin bei Fahrt durch die Nebelschwaden im Gebirge in einer Parallelwelt gelandet?! Ich schließe es zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollkommen aus.

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