Stille

„Sachmal, Junge, wie finanzierst du dir den ganzen Schwachsinn eigentlich? Wie kannst du es dir leisten, um die Welt zu fliegen, ohne zu arbeiten?“ – Diese und ähnliche Fragen kriege ich immer wieder gestellt. Kein Wunder, habe ich doch in den letzten 14 Monaten 16 Länder bereist. Zur Weltumrundung fehlt mir nur noch der Flug über den Atlantik nach Hause. Mal gucken, wann ich den antrete. Abgesehen davon, dass ich mir Geld von einer Freundin leihen musste, weil mir meine Kreditkarte am Strand von einem Ladyboy geklaut wurde, ist alles im Lot. Zum Rest gibt es nur eine Antwort: geht euch nichts an.

Stattdessen gibt’s was zum Lesen und Nachdenken. These: Die Momente, die uns wirklich glücklich machen, sind nicht die, in denen wir zum Handy greifen, um ein Foto zu schießen. Es sind die, die uns zum Lächeln bringen, die wir aufsaugen, die, in denen wir vollkommen vergessen, dass wir überhaupt ein Smartphone dabei haben.

Für mich sind solche Momente oft nicht daran geknüpft, dass ich gerade einen Berg bestiegen, eine Sturmflut überlebt oder ein anderes Abenteuer erlebt habe. In solchen Momenten bin ich meistens damit beschäftigt, nach Luft zu schnappen und meinen Beinen fürs Tragen zu danken. Nein, die wirklich wichtigen Momente passieren im Stillen, dann, wenn ich Zeit habe, mich zu besinnen. Natürlich schüttet mein Körper unendlich viele Glückshormone aus, wenn ich einen steilen Vulkan erklommen habe, und sicherlich kann ich auch in Extremsituationen glücklich sein. Doch so richtig mit Raum und Zeit verschmelze ich nur, wenn ich im Einklang mit mir bin, ohne mich auf das Überleben – sehr dramatisch! – konzentrieren zu müssen. Es sind die gewöhnlichen Momente, die mich innehalten lassen. Ein Sonnenstrahl, der durch das Blätterdach des Waldes schimmert, ein Vogel, der am Himmel kreist, eine gute Scheibe Brot mit gutem Käse… (ok, ich gebe es zu, ich vermisse deutsches Brot fast mehr als meine Familie…). Kurz: Es sind die Momente, in denen Zeit egal zu sein scheint.

Was mich auf diese Gedanken bringt? Zum einen habe ich mich schon häufiger mit dem Thema Glück auseinandergesetzt. Zum anderen habe ich einen solchen Moment gerade erlebt. Die Sonne scheint mir warm ins Gesicht, ich spaziere durch einen kleinen Park in der Bay Area, Kalifornien. Unter dem Arm ein Basketball. Der Schweiß rennt mir in kleinen Perlen die Stirn herunter und ich merke, wie ich grinse, ich merke, wie sehr es mir gefehlt hat, mir einfach mal einen Ball zu schnappen und im Park eine Runde zu spielen. Nichts will ich in dieser Situation mehr. Niemand kann mich in meinem Tun stören, keine Gedanken schwirren durch meinen Kopf. Das Glück übermannt mich so natürlich, wie der gesunde Schlaf. Den brauche ich jetzt auch, denn vor lauter Glück bin ich ganz müde geworden.

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