Ismen

Angelehnt an eine E-Mail, die ich vor langer Zeit von einem Weggefährten erhalten habe, wage ich mich an das schwierige Thema Ismen. Was soll das denn sein? Ein Erklärungsversuch.

Fragen über Fragen, die oft dazu führen, dass wir in die Fallen des Lebens tappen, aus Angst, die Antworten nicht zu finden. Diese Angst wird oft zum Nährboden für Verschwörungstheorien, führt zur Flucht in übertriebenen Idealismus, kreiert zu hohe Erwartungshaltung, Kontrollwahn, Flucht vor Verantwortung, Hang zur Vereinfachung einer komplexen Realität, das Nicht-Leben-Können-mit-offenen-Fragen, das Für-alles-ein-Modell-haben-müssen, das Sich-nicht-orientiert-Fühlen, wenn man nicht für alles irgendeine Theorie vorweisen kann, usw. Die Falle schnappt immer dann zu, wenn wir uns für diese wirklich komplexen Fragen, einfache Antworten suchen, Modelle, die das scheinbar unverständige, begreiflich machen. Viele dieser Modelle enden in, hier ist die Erklärung, in Ismen. Tagesaktuell besonders der Trumpismus, Veganismus, oder in Deutschland der wieder aufkeimende Nationalismus. Gruselig. 

Folgender englischsprachiger Cartoon aus dem Jahre 1948 beschäftigt sich mit dem Thema und zeichnet eine Gesellschaft, die der heutigen nicht unähnlich ist.

Auf Dauer führen diese Ismen zu keinem zufrieden stellenden Ergebnis. Spannend ist daher zu ergründen, warum das Hereinfallen auf Ismen und simple Modelle dennoch so verbreitet ist. Wahrscheinlich, weil die Gegentheorie zu revolutionär ist, egal, wie stimmig sie auch scheint und dementsprechend immer mit unnötigem Leid verbunden. Der Kampf gegen dieses Leid ist auch immer ein Kampf gegen die, die Leichtgläubige, Naive, nicht gern komplex Denkende mit einfachen Modellen ködern. Angesichts komplexer Zusammenhänge ist die Flucht in einfache Modelle das Grundübel unseres Daseins.

1971 wurde eine ähnliche Szene in „The Night Gallery Series“ gezeigt, in der Dr. Stringfellow seine „magische Flüssigkeit“ verkauft. Er ist ein falscher Doktor, der sich die ungebildete Bevölkerung einer Westernstadt vornimmt, um Profit daraus zu schlagen. Er gibt nach eigenen Angaben den Hoffnungslosen Hoffnung, den Traumlosen Träume und ist mit der Grund dafür, warum sie taub, stumm und blind für das Wissen über sie selbst sind. Ismen richten sich, in Flaschen gefüllt an die, die meinen, man könne Unsterblichkeit in ebendiese Flaschen füllen. Es ist der einfache Weg in die kurzfristige Glückseligkeit. Ein wiederkehrendes Thema in diesem Blog.

Natürlich, sich um sich selbst zu kümmern, ist bisweilen eine hässliche Angelegenheit. Es bedeutet, sich klar zu machen, wie viel Schulden man hat, dass man eventuell seine Essgewohnheiten umstellen muss und definitiv aufhören sollte, vor seinen Problemen wegzurennen und Ablenkung, oder eben Ismen, als die Lösung zu propagieren.

Es erfordert auch gehörige Selbstdisziplin, mal einen Tag sein Handy auszumachen, oder sich durch das nervige Bein-Workout zu quälen, einen zweiten Job zu suchen, um Geld zu sparen, einem Menschen zu sagen, dass er keinen Platz mehr in deinem Leben hat, weil er Gift für dich ist, und auch einfach mal „Nein“ sagen zu können. Alleine die Tatsache, dass ich darüber schreiben muss, zeigt doch, wie kaputt die Welt schon ist. Dass es mittlerweile anerkannt ist, dass die psychische Vollbremse „Burnout“ anerkannte Volkskrankheit ist, ist gut. Der Körper nimmt sich irgendwann diese Auszeit, wenn der Wirt nicht gut genug auf ihn aufpasst. Irgendwann gibt er dem konstanten Druck nach. Natürlich heißt „auf sich selbst aufpassen“ nicht, andauernd das Handy auszumachen, oder andauernd Gemüse zu essen und Bäder zu nehmen. Es heißt vielmehr, sich ein Leben aufzubauen, aus dem man nicht konstant abhauen möchte. Dafür muss man meistens in die sauersten Äpfel beißen, die es auf dem Markt gibt. Diese Äpfel stehen für die Fehler und Enttäuschungen, die man erlebt und gemacht hat, und aus ihnen zu lernen. Nicht immer sollten die unmittelbaren Sehnsüchte triebgebend sein. Nicht immer sollte an Alten Erinnerungen und Gegenständen festgehalten werden. Manchmal ist neu wirklich besser. Manchmal muss man Menschen einfach enttäuschen, die zu viel von einem erwarten. Es geht darum, ein Leben zu führen, was andere Menschen nicht wollen, damit du ein Leben leben kannst, was andere nicht können. Sei normal, sei gewöhnlich. Such die Antworten nicht im Alkohol oder der Prokrastination. Dadurch „repariert“ man sich auch nicht. Man kann sich nicht selber heilen, man kann nur liebevoll für sich selbst sorgen – und das wird dafür sorgen, dass sich viele dieser antrainierten Gedanken, die einen im persönlichen Wachstum behindern, verschwinden. Sei dein eigener Held. Sieh zu dir auf. Bemitleide dich nicht selbst. Schluss mit den Ismen. Dein Leben muss nicht gut aussehen, es muss sich gut anfühlen!

5 Gedanken zu “Ismen

  1. Vernünftige Einsichten. Dem zweiten Absatz stimme ich allerdings nicht zu. Es gibt nur einen Ismus, der unsere Welt und ihre Bewohner seelisch und körperlich zerstört und das ist der sogenannte „liberale“ GlobalISMUS oder „globale“ LiberalISMUS, der alles relativiert und uns eine technokratische Utopie vorgaukelt in der alle gleich sind und sich liebhaben.

    Verschwörungstheorien hmm… diese Worthülse ist ein rhetorisches Mittel eben dieses GlobalISMUS um Abweichler ruhig- und bloßzustellen. Mann als Versorger, Frau als Mutter? SexISMUS? Leute, die gegen Merkel protestieren? FaschISMUS? Hallo? Von aufkeimendem NationalISMUS kann auch nicht die Rede sein, wenn in Hamburg fremdgesteuerte Antifa-Horden auf Menschenjagd gehen und Personen hinterhältig in der Ubahn-Station angreifen, wie gerade geschehen.

    Gruselig ist eher die Auflösung aller Grenzen und Begriffe, im buchstäblichen und übertragenen Sinne, die dazu führt, dass sich die Kulturen dieser Welt in einen undefinierbaren Einheitsbrei aufflösen, der von den Technokraten dann ordentlich durchgeknetet wird und in passgenaue, wehrlose Schalen gepresst wird. Knete formt den Menschen.

    Ich sehe nichts Verwerfliches darin, einen HeroISMUS zu propagieren, der sich diesem schleichenden Untergang entgegenstellt, als einzelner und als Kollektiv. Wenn dieser Widerstand auf nationaler Ebene organisiert werden muss, so wie in Syrien beispielsweise (contra IS-Terroristen, die hier als freitheitsliebende „Rebellen“ bezeichnet werden und sicht dann mit ihrem Sold in den Westen absetzen, äh flüchten, Verschwörungstheorie?), ist es eben der einzige Weg, zu überleben. Manche Wahrheiten sind bitter.

    Müssen wir auch den RealISMUS aufgeben?

    Der RelativISMUS hebt alles auf, auch sich selbst.

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    1. Gut, ich war lange nicht in Deutschland, das musst du mir nachsehen. Ansonsten kann ich deine Argumentation gut nachvollziehen. Heroismus führt meines Erachtens nach über den Weg Sich-Selbst-Akzeptierens – so funktionieren Helden doch, oder? Altruismus hin oder her. Ich finde den Einheitsbrei gut. Die Regeln und Gesetze bestimmen die Länder ja immer noch selbst, und wer sich daran nicht hält, hat im Kochtopf nichts zu suchen. KochIsmus oder so. Bin ab Mittwoch wieder in Hamburg. Bierchen?

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  2. Endlich! Bierchen? AlkoholISMUS. Ich hab Schnaps aus der neuen Welt da, meine Tante ist aus Honduras zu Gast. Ich werd‘ Dir erstmal ein ordentliches Kohlgericht mit Kartoffeln kochen, gegen den Einheitsbrei. Lecker.

    Ansonsten wird das schelmisch… weiss ich jetzt schon.

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